Erlebnisse aus dem Auto
Der Auszug stammt aus der Kommune Sirdal und wurde von Gudrun Kristine Ovedal verfasst.
Die ersten Touristen, die 1832 nach Sirdal kamen, sorgten in Lunde für Aufsehen, als sie erklärten, das Ziel ihrer Reise sei lediglich, sich umzusehen. Damals war es völlig fremd, ziellos herumzureisen. Heute ist das anders, und die Sirdaler sind mit dem Tourismus bestens vertraut.
Von: Sirdal Kommune / Gudrun Kristine Ovedal
Wenn Sie heute durch Sirdal reisen, um sich umzusehen, dann wissen wir, dass das Erlebnis größer wird, wenn man unterwegs etwas lernen / ein bisschen zusätzliche Informationen bekommen kann.
Gut zu wissen – über die Verbindung nach Setesdal und Fellwege
Zwischen Sirdal und Setesdal gab es seit unddenklichen Zeiten einen engen Kontakt, sowohl Handel als auch Eheschließungen verbanden die beiden Täler miteinander. Vor allem die Setesdaler waren fleißig bei Handelstouren über das Gebirge, was unter anderem daran lag, dass sie nach Stavanger reisen mussten, wenn sie Steuern zahlen wollten. Da die Steuer mit Fellen und Pelzwaren bezahlt wurde, wurden die Handelswege über das Gebirge oft als «Fellwege» (skinnvegar) bezeichnet. Mitten im alten «Fellweg» zwischen Suleskard in Sirdal und Hylestad in Setesdal, etwa 880 Meter über dem Meeresspiegel, liegt die Håhelleren (gehört zur Gemeinde Valle). Der Name stammt von dem altnordischen Wort «Hå», was hoch bedeutet, und verweist auf die Größe des Felsüberhangs. «Dieser Weg wird von Sætersdalern und Sirdalern stark befahren. Dass der Verkehr bedeutend ist, lässt sich daraus schließen, dass von offizieller Seite seit langem über eine größere Straßenanlage über diesen Gebirgsabschnitt gesprochen und geschrieben worden ist», schrieb der Gemeindevorstand von Valle im Jahr 1866. Um den Verkehr zu sichern, wurden Gelder für Wegweiser über das Hochplateau sowie für den Bau einer Fjellstue an der Håhelleren bewilligt. «Wegen Nebels, Unwetters und Schneetreibens lassen so mancherlei Menschen ihr Leben, indem sie in Abgründe stürzen, einschneien und erfrieren.» Die erste Håhellerstova wurde 1867 auf den Fundamenten einer Wohnstätte gebaut, die sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts an der Håhelleren befand. Die Fjellstue, die sich heute hier befindet, wurde 1950 erbaut. Diese gehört dem Touristenverein und verfügt über 9 Schlafplätze.
Kvæven Bygdetun / Sirdal Fjellmuseum
Machen Sie gerne einen Halt beim Kvæven Bygdetun. Hier gibt es eine Touristinformation, und Sie können einen Spaziergang über das Gelände machen. Eines der wichtigsten Anliegen der Vermittlung im Museum sind die Hochgebirgsregionen, die uns umgeben, und welche große Bedeutung das Hochgebirge zu allen Zeiten hatte. Die Verkehrs- und Handelswege wurden bereits erwähnt, aber es waren auch wichtige Gebiete für die Schafzucht und die Jagd.
Om sau (Driftschafe): Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begannen einige Bauern auf Jæren, Schafe mit reisenden Viehhändlern in die Berge zu schicken, weil die Weidefläche zu Hause zu klein oder schlecht war. Man entdeckte bald, dass Schafe, die in den Bergen geweidet hatten, in besserer Verfassung waren als Schafe, die zu Hause in den heimatlichen Weidegebieten geblieben waren. Der Schaftriftverkehr in die Hochgebirge im Norden von Sirdal begann um 1820 ernsthaft. Die Triebe brachen im Juni von Jæren auf und kehrten irgenwann im September zurück. (Auf dieser Tradition basiert die jährliche Veranstaltung hier in Kvæven, die «Sirdalsdagane»). Die ständig wachsende Zahl von Schafen, die in die Berge getrieben wurden, hatte allmählich Folgen für die traditionelle Almwirtschaft (Stølsbruk), die es hier in den Bergregionen gegeben hatte. Mehrere Bauern fanden heraus, dass es lukrativer war, Driftschafe aufzunehmen, als Almwirtschaft zu betreiben. Viele Alm- und Außennutzflächen wurden daher als Driftweiden ausgewiesen, und Almhütten konnten zu Hirtenhütten werden.
Heiberg (Jagdrevier): 1904 begann Thorvald Meyer Heiberg, große Hochlandgebiete in den Sirdal- und Setesdalheiene aufzukaufen, schließlich war er mit über 1 Million Mål der größte Grundbesitzer Norwegens. Er hatte die Geschäftsidee, Bedingungen für reiche Leute zu schaffen, insbesondere Ausländer, die für Jagd und Fischfang in den norwegischen Hochgebirgen bezahlen konnten und wollten. Heiberg errichtete im Hochland etwa 30 Jagdhütten, 1 bis 5 Hütten in jedem Revier. Eine davon wurde 2001 von Trongen versetzt und im Heimatmuseum Kvæven wieder aufgebaut. Zusätzlich wurde damit verbunden eine ”Führungshütte” (Wanderhütte) gebaut.
Øysteinshedlaren
Zwischen Tjørhom und Omlid können Sie von der Straße zum Wasserkraftwerk Tjørhom abbiegen. Vom Parkplatz aus können Sie hinauf zum Øysteinshedlaren blicken. Hier gibt es auch einen Wanderweg hinauf zum Felsüberhang, wenn Sie ihn genauer untersuchen möchten, der westlich des Kraftwerks Tjørhom liegt. Der Felsüberhang ist 22 Meter tief, und hier wurden Spuren gefunden, die zeigen, dass es hier über viele Jahre hinweg rege Aktivität gab. Man hat hier Feuerstein, Holzkohle, Knochenansammlungen und Vogelknochen gefunden. Eine alte Sage aus Sirdal erzählt, dass König Øystein zusammen mit seiner Gefolgschaft von Westen herangeritten kam. Es war spät am Abend, als sie nach Tjørhom kamen, und deshalb beschloss er, in dem großen Felsüberhang zu übernachten. Das Ereignis hat damals wohl großen Eindruck hinterlassen, denn die Sage wurde seither über Generationen hinweg bis in unsere Zeit weiterermärchenhaft erzählt. Noch heute haben sowohl der Felsüberhang als auch die Bucht, Øysteinsevja, ihren Namen nach dem alten König.
Dorgefoss
Bevor die Sira reguliert wurde (Sira-Kvina Kraftselskap), gab es an der Dorga einen großen und eindrucksvollen Wasserfall. Aus dem Jahr 1900 findet man folgenden Bericht des Historikers Yngvar Nielsen, der dies über den Wasserfall schreibt: «Vor allen anderen muss der Døjefoss genannt werden – ein Fall, der nicht an vielen Orten seinesgleichen hat. Hier hat das Wasser gearbeitet und sich eine tiefe Rinne gegraben, in die sich die gesamte Wassermasse der Sira stürzt. Alles, was sich irgendeine Fantasie von einem Wasserfall ausmalen kann, ist hier – die enge Schlucht, das Tosen des Wasserfalls und die wirbelnden Staubwolken. In der Tiefe treibt das Wasser sein wildestes Spiel – es schießt durch eine Schlucht, gegen die der Ridderspranget nur gering ist, und wenn es schließlich seine Kraft erschöpft hat, kommt es aus der Dunkelheit ans Tageslicht. Der Dørjefoss ist kein Rjukan. Aber er ist deshalb dennoch eine große Natursehenswürdigkeit.» Mit dem Dorgefoss ist auch viel Spannung und Drama verbunden. Eine alte Sage besagt, dass zum Tode verurteilten Personen am Dorgefoss die Chance gegeben wurde, ihr Leben zu retten. Wenn es einem zum Tode Verurteilten gelang, an einer bestimmten Stelle von Westen nach Osten über den Wasserfall zu springen, sollte er sein Leben behalten dürfen. Am Rastplatz liegt zudem der «Håvardstein», ein Stein, der von Håvard Torjussen Valevatn (1822–1880) mit bloßer Hand gehoben wurde. Der Dorgefoss ist Sirdals Jahrtausendort.
Das Gräberfeld auf Skeie
Unterhalb der Siedlung Skeie fließt der Fluss Sira still und ruhig zwischen steilen Felsen hindurch. Entlang der Westseite des Flusses, mitten in einem Kiefernwald, liegt ein unter Denkmalschutz stehendes Gräberfeld aus der Völkerwanderungszeit (400 – 800 n. Chr.). Hier sind 23 Grabhügel registriert. Die höchsten sind etwa 1,5 m hoch, während andere im Gelände so flach sind, dass sie sich nur schwer von der natürlichen Waldvegetation unterscheiden lassen. Begräbnisstätten wurden oft an Verkehrswegen an dominierenden Stellen im Gelände angelegt, sodass sie gut sichtbar waren. Vermutlich war der Grund hierfür der Wunsch nach Nähe zwischen den Lebenden und den Toten. In heidnischer Zeit wurden Grabhügel geachtet und gefürchtet und bildeten das Zentrum des Glaubens an Götter und des Vorfahrenkultes. Die Gräber der Vorfahren trugen dazu bei, Wurzeln und Identität zu schaffen, und knüpften Bande zurück in die Vergangenheit. Dies ist ein großartiges Gebiet mit einem Rastplatz und Schildern, die weitere Informationen über das Gräberfeld bieten. Hier können Sie auch einen Spaziergang zwischen den Grabhügeln unternehmen.
Sirdalsvatnet
Das Sirdalsvatnet erstreckt sich von Tonstad bis Osen über eine Länge von 27 km. Die Fläche beträgt 19 km². Die größte Tiefe, etwas südlich von Haughom, liegt bei 185 m. Zwischen Virak und Haughom ist der See an seiner breitesten Stelle 1,2 km breit. Der schmalste Punkt befindet sich bei Mjåsund und ist 300 m breit. Das Sirdalsvatnet war seit jeher die wichtigste Verkehrsader für die Bewohner am See. Wollte man irgendwohin, war es meistens die einfachste Lösung zu rudern. Bevor das Dampfschiff auf das Sirdalsvatnet kam, war es üblich, in die Stadt Flekkefjord zu rudern, um die Sommernahrung einzukaufen. Eine Möglichkeit, dies zu tun, bestand darin, Pferd und Wagen im Boot mitzunehmen. Diese wurden an Land ab Osen genutzt. Oft startete man die Ruderfahrt in der Nacht, kaufte tagsüber in der Stadt ein und fuhr am selben Abend wieder nach Hause. Der Nordwind war auf dem Rückweg oft mühsam zu bewältigen, besonders wenn das Boot voll beladen mit Waren, Menschen und Vieh war. Im Winter wurden Waren und Post über das Eis transportiert. Wenn das Eis nicht sicher war, kam es vor, dass man ein kleines Boot auf einem Schlitten zog, wo es Eis gab, und das Boot nutzte, wo es offenes Wasser gab. Das konnte durchaus gefährlich sein, aber die Post musste zugestellt werden!
Holmen: Holmen im Sirdalsvatnet ist etwa 170 Meter lang, 60 Meter breit und 10–12 Meter hoch. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts gehörte Holmen als gemeinschaftlicher Besitz zur Ortschaft Virak. Einer Überlieferung nach tauschten die “Virlendinger” Holmen gegen einen Anker Branntwein an einen ansässigen Bauern in Haughom. Das Spannendste, was mit Holmen verbunden ist, ist die Sage von der Flucht der Königin Astrid mit ihrem Sohn Olav Tryggvasson. Dies ist eine sehr alte Sage, die im Laufe vieler Generationen an vielen Orten rund um den Sirdalsvatnet erzählt wurde.
Der deutsche Bunker: Der Straßenabschnitt zwischen Haughom und Tonstad wurde 1942 fertiggestellt und war Teil der “inneren Militärstraße” zwischen Stavanger und Kristiansand. An einer Stelle entlang der Straße war es sehr eng, mit steilem Felsen auf der einen Seite und dem Sirdalsvatnet auf der anderen Seite. Die Deutschen bauten hier 1943 einen Bunker. Der Zweck dieses Schutzraums bestand darin, alliierte Streitkräfte aufzuhalten, falls diese von Nordosten durch das Sirdal kommen sollten. Der Bunker am Sirdalsvatnet ist eines der wenigen erhaltenen Denkmäler aus dem Krieg in Sirdal und im nationalen Maßstab selten, da er an einem Binnensee liegt. Der deutsche Bunker ist heute schwer zugänglich, liegt aber unten am Sirdalsvatnet, nördlich der «Berkjenesodden» oder des neuen Tunnels.
Nykkhedlar: Dies ist eine Höhle im Felsen, direkt über der Wasseroberfläche an der Westseite des Sirdalsvatnet. Der Berg darüber ist hoch und steil und setzt sich im kalt-tiefen See unten fort. Früher sagte man, dass der Nök hier hauste, und viele fürchteten ihn, wenn sie auf dem Sirdalsvatnet ruderten. Weitere Informationen über Kulturdenkmäler rund um den Sirdalsvatnet finden Sie auf der Website: www.naturtriangelet.no
